Sep 21, 2008

Widerspruch ist nicht (völlig) zwecklos

Veröffentlicht von mick @ 12:53:47 | Allgemeines

Wilderraetsel

Oma Heidi wird 98,4 Jahre! Hintertupfing gratuliert seiner ältesten Einwohnerin! Das tun wir zwar auch, aber woher weiß die Zeitung eigentlich wie alt diese Frau ist? Es soll ja Mitbürgerinnen geben, denen eine solche Annonce unangenehm ist.

Schon einmal einen NPD-Mitgliedsantrag per Post bekommen? Wenn nicht leben Sie entweder nicht in Mecklenburg-Vorpommern oder sind für die Partei demographisch uninteressant. Auch hier gibt es Gerüchten zufolge noch einige Deutsche Staatsbürger, die sich nicht DOITSCH genug fühlen und denen eine solche Aufforderung peinlich ist. Also woher hat die Partei die Adressen?

Schonmal ungefragt von einem Adressbuchverlag in ein Verzeichnis aufgenommen worden? Woher hat der diese Information und woher weiß die katholische Kirche, dass mein Mann ein Heide ist (natürlich o.B.d.A)?

In allen Fällen eine Antwort; die entsprechenden Meldebehörden sind wie Telefonbücher und Suchmaschinen, nur eben für reale Personen. Die Abfrageschnittstelle ist ein wenig komplexer, aber im Prinzip funktioniert es genau so. Ein weiterer fundamentaler Unterschied zum Telefonbuch existiert, Sie müssen einer Veröffentlichung explizit schriftlich widersprechen und dabei die Paragraphen der entsprechenden Landes- und(!) Bundesgesetze zitieren. Nicht gewusst? Zumindest in M-V muss man darauf doch bei der Behördenanmeldung hingewiesen werden (Meldegesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern §36). Achso, ein Kind der DDR? Wohl der jährlichen öffentlichen Bekanntmachung der Meldebehörden keine Beachtung geschenkt? Eigene Schuld!

Anstatt also härtere Sanktionen gegen Datenhändler zu fordern, sollten unsere Politiker sensibler mit den Daten umgehen, die wir gezwungen werden, ihnen zu melden. Auf der anderen Seite sollten Sie schleunigst der Verwendung ihrer Daten bei der Behörde Ihres Misstrauens schriftlich widersprechen! In Mecklenburg-Vorpommern lautet die magische Zeile dafür "Widerspruch nach §§32 Abs. 2, 35 Abs. 1 bis 3, § 34a Abs. 2 Satz 6 Meldegesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern und §21 Abs. 1a MRRG", in Thüringen hingegen "Widerspruch nach §§30 Abs. 2, 33 Abs. 4 ThürMeldG und §21 Abs. 1a MRRG" (einzureichen jeweils in einem formlosen Antrag beim Einwohnermeldeamt!) und in anderen Ländern sind Sie Dank Förderalismus auf sich gestellt.

Denken Sie aber ja nicht, Ihre Daten wären nun völlig sicher. Es gibt eine Vielzahl von Auskunftsarten bei den Meldebehörden und nur einigen wenigen kann widersprochen werden. Weiterführend kann vorallem das MRRG "empfohlen" werden.

Trackback

No Trackbacks

Track from Your Website

http://aziel.de/trackback/tb.php?id=64
Trackbacks werden nur mit gültigem Referer akzeptiert.

1 Comment

Re: Widerspruch ist nicht (völlig) zwecklos

hallo , sag mal könnte mir jemand sagen was ich in NRW zu tun habe um meine Daten zu sichern (oder es zu versuchen) ich kenne mich mit den Gesetzen diesbezüglich nicht aus und bezweifele das es die selben § sind wie in anderen Bundesländern,
danke

From : gong108 @ 2009-05-26 02:02:55 Bearbeiten

Post Your Comment


You must fill all *s. e-mail won't be publicized.